Eben habe ich bei Xing in einer Gruppe einen Beitrag über Neid gelesen und mir danach meine eigenen Gedanken dazu gemacht.

  • Wann sind wir neidisch?
  • Können wir uns eingestehen, neidisch auf jemanden zu sein?
  • Werden wir von anderen beneidet und wie gehen wir damit um?

Wenn ich für mich spreche, dann muss ich zugeben, auch ab und zu mal neidisch zu sein. Auch wenn mir in meinem ganzen Leben immer wieder vermittelt wurde, dass Neid eine schlechte Charaktereigenschaft ist und ich anderen das, was diese haben, gönnen soll kann ich nicht verleugnen, dass dieses Gefühl – da hat jemand etwas, das ich auch gerne hätte aber nicht habe – einfach da ist.

Und da hilft es dann auch nicht, jedenfalls im akuten Moment, sich zu sagen, na ja, aber dafür habe ich dies und habe ich das – nein, in diesem Moment ist das Gefühl des Neides einfach stärker.

Ganz ehrlich – so richtig leicht fällt mir dieser Artikel nicht, denn ich gebe ja zu, eine nicht sehr geschätzte Eigenschaft zu besitzen, aber mal genau hin zu sehen und zu analysieren kann uns helfen, einen Weg zu finden aus dem Neid heraus.

Ich denke, besser, als sich von Neid zerfressen zu lassen ist auf jeden Fall, sich mal folgende Fragen zu stellen:

  • Will ich das wirklich, was der andere hat?
  • Wenn ja, wie kann ich das erreichen bzw. besteht überhaupt die Möglichkeit, dies zu tun?
  • Was ist der erste Schritt dorthin?
  • Oder was ich statt dessen erreichen, was mir viel mehr entspricht?

Ich glaube, neidisch sind wir alle,  mal mehr, mal weniger – wichtig ist einfach, dass dieses Gefühl nicht zu viel Raum ein nimmt und einen nur noch beherrscht. Wenn ich noch sehen kann, was ich selbst habe und wer ich selbst bin, wo meine Stärken und Talente liegen, dann kann mir ein kurzfristiges Gefühl des Neides nichts anhaben. Dann werte ich es als kleine  Schwäche  und Test, meine eigenen Wünsche zu betrachten und eventuell zu ändern.

Ich bin gespannt auf eure Kommentare zu diesem – für mich jedenfalls – spannenden Thema!

17 Kommentare zu „Sich Neid zugestehen – wer kann das?“

  • Liebe Irene,

    allzu oft gilt hier auch das Sprichwort: “Der Neid sieht nur das Blumenbeet, den Spaten kennt er nicht.” Was andere haben hat meistens einen Preis und wir sollten uns immer auch fragen, ob wir bereit sind, ihn zu bezahlen. Wir wollen die tolle Baggerseefigur – wollen wir auch auf das Stück Torte zum Kaffee verzichten und täglich 10 km joggen? Wir beneiden den anderen um sein schickes Cabriolet. Wollen wir aber auch seinen verantwortungsvollen Job mit den vielen Überstunden und dem Buckeln vor den Vorgesetzten und der ständigen Angst im Nacken? Wir träumen vom Auswandern. Sind wir aber auch bereit, uns auf die Unsicherheit einzulassen, die alles Neue mit sich bringt?

    Deine letzte Frage gefällt mir am besten, denn nur, wenn wir das tun, was unserem wahren Wesen entspricht, werden wir auch glücklich und erfolgreich sein. Und dann freuen wir uns an dem, was wir sind, tun und haben!

    Alles Liebe,
    Jürgen

  • Bea:

    Wer schaut sich schon gerne seine dunklen Seiten an? Das du es tust und dazu noch öffentlich ist doch sehr mutig und zeichnet dich aus. Außerdem bist du bereit dich auch kritisch selbst zu hinterfragen, was auch nicht jeder tut, manche nicht mögen, oder nicht können, weil auch hierzu Mut nötig ist.

    Ist es nicht außerdem eine Illusion, das man sich gewisse Gefühle nicht zuschreibt? In der Bandbreite der Möglichkeiten über die Lebensjahre verteilt werden wir wohl alle einmal mit jedem Gefühl das es gibt in Kontakt treten.

    Ich halte es für eine gute Übung und lehrreiche Zeit. Zudem lernen wir viel über uns. Und stell dir einmal vor, was wäre wenn du nicht neidisch wärst? Gleichgültig vielleicht? Das finde ich ein noch viel schlimmeres Gefühl. Neid kann wenn man es positiv sieht, eine Menge Energie in einem Menschen frei setzen und ihn vielleicht sogar motivieren für sich noch mehr aus sich selbst heraus zu holen. Solange es in einem gesunden Rahmen bleibt.

    Die zerstörerische Seite des Neides gibt es natürlich auch. Doch wie immer ist in der Polarisation dazwischen alles möglich.

    Sonnige Grüße

  • Das hat der Jürgen aber schön geschrieben:-)
    Ich kenne das Gefühl des Neides auch, sicher, ich denke es kennt jeder Mensch, ob er es zugibt oder nicht ;-)
    Je mehr ich mir selber nahe komme, mich mit allem was zu mir gehört anschauen kann und lieb habe, je weniger neidisch bin ich. Ich erkenne dann, dass mein Leben, genau so wie es ist, für mich gerade maßgeschneidert ist, ich möchte mir dann nicht mehr “fremde Kleider anziehen” ,die mir nicht passen.
    Liebe Grüße von:
    Beate

  • Liebe Irene,

    ein schöner Artikel, der wach-rüttelt … und zu den Kommentaren ist eigentlich nix mehr hinzu-zufügen … außer vielleicht …

    “Neid ist die Angewohnheit, statt der eigenen Glücksgüter die der anderen zu zählen.”

    - Ernst von Feuchtersleben –

    Danke !

    Herzliche Grüße
    Doris

  • Liebe Irene
    Neid, was steht hinter diesem Wort? Neid bedeutet für mich Missgunst. Deshalb entsteht bei diesem Wort eine negative Energie.
    Sich etwas wünschen was man bei anderen gesehen hat, ist definitiv nicht das gleiche. Solange man den Menschen das gönnt, was sie haben, hat es für mich nichts mit Neid zu tun. Warum missgönnt man anderen Menschen etwas? Das wäre eine Frage, die man sich stellen kann.
    Alles Liebe wünscht dir
    Michèle mit Enekoh Wakass und den A-Ladies

  • @Jürgen,
    Lieber Jürgen – wirklich super auf den Punkt gebracht – aber damit kennt du dich ja aus :-)

    Ja, wenn wir neidisch sind, sehen wir nur, dass der andere etwas hat, was wir auch haben möchten – nicht aber “den Spaten”, wie du sehr schön gesagt hast.

    Ich war als Kind immer neidisch auf meine ältere Schwester – sie war so mutig, hat sich nichts gefallen lassen und sich aber auch oft den Ärger meiner Eltern zugezogen. Ich selbst wollte zwar immer so mutig sein wie sie, aber Ärger mit den Eltern wollte ich auch nicht…. Da habe ich mich für die “liebe” und angepasste Irene entschieden…

    Heute beginne ich endlich zu sehen, was meine Natur ist, was ich gut kann und schaue immer weniger auf das, was andere haben und ich nicht. Ist wohl auch ein Prozess der Reife…

  • @Beate Neufeld,
    Ja liebe Beate – genau so ist es. Je näher wir uns selbst kommen und uns lieb haben, um so weniger müssen wir uns auch mit anderen vergleichen.

    Ich habe mir mal die Frage gestellt, ob ich wirklich einen Tag meines Lebens geben würde, um mit einem Menschen zu tauschen, den ich insgeheim beneide – da wurde mir klar, dass ich doch lieber mein eigenes Leben leben möchte…..

    Danke dir für deinen lieben Kommentar!

  • @Doris – Licht & Liebe Blog,
    Liebe Doris,

    ein toller Spruch – der trifft es wirklich gut!
    Ja, ich freue mich auch über diese wertvollen Kommentare – mein Dank geht an euch alle!

  • @Michèle, Liebe Michèle – ich freue mich, dich zu lesen :-)
    Das ist eine sehr interessante Sichtweise und du hast Recht – Neid hat für mich auch negative Energie. Und Missgunst ist da noch negativer.

    Ich denke nicht, dass ich anderen das missgönne, was sie haben und ich gerne hätte. Im Gegenteil – ich gönne jedem sein Glück. :-)

  • liebe irene
    ich hatte bei deinem artikel dieselben gedanken wie michele. für mich bedeutet neid auch mißgunst und wenn du jemandem anderen das nicht gönnst.
    natürlich wünschen wir uns, was der abndere hat oft und besonders dann wenn wir selber mit uns unzufrieden sind
    da finde ich deine fragen toll
    will ich das denn echt?ist das was ich möchte nur stellvertretend für ein tieferes bedürfnis?
    und wenn du ehrlich bist bin ich es auch
    ich wollte immer genau das können, was du kannst.
    áuchjetzt will ich das noch aber nun weiß ich ich wollte es früher auch deswegen, weil ich mal etwas gut können wollte.
    nur ein beispiel
    alles liebe von babsi

  • @Bea,
    Liebe Bea – vielen Dank für deinen Besuch und deinen so wichtigen Kommentar.

    Auch aus dieser Perspektive habe ich das noch nicht betrachtet. Demnach bin ich wohl mutiger, als ich mich selbst einschätze…danke dir für diesen für mich sehr motivierenden Hinweis…

    Ich hoffe, du kommst meinen Blog noch öfter besuchen :-)

  • @Babsi,
    Liebe Babsi,

    wie wir in den Kommentaren ja nun herausgefunden haben, ist es eine Sache, jemanden etwas nicht zu gönnen – und eine andere, sich etwas zu wünschen, was ein anderer hat und man selbst nicht.

    Ich bin natürlich gerührt, dass Du mich da als ein Vorbild für dich gewählt hast. DANKESCHÖN!

    Vorbilder sind ja nichts schlechtes – im Gegenteil, es ist immer gut, sich “nach oben” zu orientieren und jemandem nachzueifern, der etwas schon besser kann als man selbst. Auch ich tue das immer noch und nur so kann man sich selbst steigern.
    Und immerhin habe ich ja einige Jahre Vorsprung vor Dir – also sprechen wir uns mal wieder, wenn du mein Alter erreicht hast :-)

    Liebe Grüße nach Wien
    Irene

  • hach, jetzt habe ich mich wieder einmal festgelesen…. ;-) Und ich bin gerade am überlegen, ob ich neidisch bin…. neidisch in Form von Mißgunst, NEIN, auf gar keinen Fall…. neidisch in Form “will ich auch haben” eher.
    Mir geht es manches Mal wie Irene. Erst wenn man über sich etwas liest, denkt man darüber nach, ob die anderen MICH meinen….
    Mir ging es in der letzten Woche so, als ich in der Tina einen Artikel über mich las und dachte: DIESE Frau gibt mir Mut! Ich mache weiter so…

    Danke an alle für diese schönen Gedanken.

    Liebe Grüße
    von der Karin

  • RAINBOW:

    Liebe Irene,

    Neid, Missgunst oder Wunschdenken – auf alle Fälle will man etwas haben, was man nicht hat, was man beim anderen gesehen hat.
    Bei mir ist es nicht Neid oder Missgunst – oft fühle ich eine Ungerechtigkeit, wenn einerseits Menschen im Überfluss leben und gleichzeitig viele nicht das Notwendigste haben. Zu dieser – meiner Meinung nach Ungerechtigkeit – kommt dann auch Ohnmacht und Wut, wenn diese Menschen dann auch noch herabblickend und herablassend agieren.
    Klar – auch das sind negative Gefühle – ich kann es mir aber auch nicht schön reden. Da hilft nur Gelassenheit und das Urvertrauen, dass alles einen Sinn hat – und wenn es der ist, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist im Leben.
    Eine gute Anregung sich immer wieder dessen bewusst zu werden. Danke!

    Liebe Grüße

    RAINBOW

  • @Karin Knorr,
    Vielen Dank liebe Karin für deinen Kommentar. Du warst in der TINA – klasse. DIESE Frau kann dir auch wirklich Mut machen!!!

    alles Liebe
    Irene

  • @RAINBOW,
    Rainbow – das ist eine noch nicht genannte Sichtweise – vielen Dank dafür und deinen Besuch :-)

    Ich glaube auch, dass alles einen Sinn hat, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Und wenn Du dir die Weltgeschichte ansiehst, so hat es schon immer diese Unterschiede gegeben – die einen haben alles, die anderen nichts… das ist wohl etwas, was zu unserer Lebensgeschichte dazu gehört…

    Danke dir für deinen Kommentar und viele liebe Grüße
    Irene

  • ursula:

    Hallo liebe Irene
    was für ein anregendes Thema das wunderbare Reaktionen auslöst in der Kommentarspalte.
    Neid kann ich negativ sehen. Warum? das steht oben bereits sehr schön geschrieben.
    Neid kann aber auch positiv sein! Wie das denn?
    Neid kann mich motivieren meinen eingeschlagenen Weg zu überdenken und allenfalls anzupassen. Neid kann ebenso einen Punkt darstellen, den ich für mich erreichen will.
    Ein Wort ist primär ein Wort! Erst wenn wir unseren Sinn hineingeben, beginnt es zu leben und Energien zu erzeugen und ob die negativ sind oder positiv hängt gaanz von mir ab.
    Lange Sätze kurzer Sinn: Genau betrachtet sind wir gar nicht so schlechte Menschen! Ganz im Gegenteil! Wir sind einmalig, wir sind absolut toll, wenn wir uns die alte Sprache neu schöpfen!
    Liebevolle Grüsse
    Ursula

Hier schreibt

Irene Wolk - Architektin + Webdesignerin mit WordPress =Wordpress-Architektin!

außerdem Vorleserin von Geschichten, Leiterin von Video-Lernkursen und Autorin des Buches: "Bin ich jetzt schön?"

Kreativ, positiv denkend und dauerhaft lernfähig.


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