
Letztes Wochenende ist mein älterer Sohn nach München gezogen und wir waren die Tage vorher schon damit beschäftigt, alles zusammen zu packen und auch ja nichts zu vergessen. Dann kam der Samstag – früh aufstehen, den Transporter holen, einpacken, bei IKEA noch einen Kühlschrank einladen und dann los. Es war alles aufregend, die Fahrt war lang, weil wir Staus umfahren mussten und dann kam das Ausladen, aufbauen und einräumen. Eine kleine 2-Zimmer-Wohnung ist recht schnell eingeräumt, und so konnten wir den Sonntagnachmittag noch bei strahlendem Sonnenschein genießen, ehe wir gegen Abend mit dem Zug die Heimreise antraten. Ich wollte zwar noch einen lieben Kontakt in München treffen, aber dafür hat die Zeit dann nicht mehr gereicht – zumal das unsere letzten Stunden mit unserem Sohn waren bis er vielleicht Weihnachten zu Besuch kommt.
Wir konnten uns also auf der Heimfahrt erholen, alles ganz stressfrei und ohne Staus – trotzdem hatte ich die ganze Woche das Gefühl, unheimlich müde und ausgebrannt zu sein. Im Moment arbeite ich nur an einem Auftrag – also auch von dort kein Stress und ich könnte ganz entspannt meiner Arbeit nachgehen und müsste mich eigentlich gut fühlen. Heute morgen – ich stand beim Metzger in der Schlange und fragte mich erneut, warum ich denn nur so müde und auch so traurig bin, und da wurde es mir plötzlich sehr deutlich klar:
Es ist die Schwere des Loslassens, die auf mir liegt, die mich müde macht, traurig und sogar etwas demotiviert.
Dabei habe ich diesen Tag eigentlich herbei gesehnt, denn unser Sohn lebt ja schon seit fast zwei Jahren nicht mehr bei uns, war aber die letzten Wochen nochmal eingezogen, weil die eine Wohnung schon gekündigt, die andere aber noch nicht bezugsfertig war. Und vorher hat er hier in der Nähe gewohnt – wer konnte also immer mal vorbei schauen oder wir bei ihm… Nun aber ist er 500 km weit weg – und obwohl wir ja alle technischen Möglichkeiten der Kommunikation haben und die Entfernung keine Rolle mehr spielt, empfinde ich genau so, wie ich eben beschrieben habe.
Ich weiß, dass unsere Kinder uns nicht gehören, dass sie ihr eigenen Leben leben müssen und sollen und wir sie nur so weit begleiten, wie sie es zulassen. Und mein Sohn hat entschieden, von hier weg zu gehen. Es gab keinen erkennbaren Grund dafür – er hatte hier Arbeit, eine Wohnung und seine Familie und Freunde. Er ist seinem Gefühl gefolgt, und dem Wunsch, in einer großen Stadt zu leben statt hier in der Provinz. Er hat Wünsche geäußert und die Lieferung erfolgte prompt. Bei ihm funktionieren die Bestellungen beim Universum – was kann ich davon lernen?
Viele Mütter, viele Eltern haben diesen Prozeß durchlebt – jeder sicherlich auf seine eigene Weise, und so akzeptiere ich für den Moment meine Traurigkeit und auch Sorge um mein "Kind" und übe mich im Loslassen – schließlich habe ich ja noch einen Sohn – wer weiß, welche Pläne der in ein paar Jahren haben wird…