Archiv für September 2009
Mein Sohn hat gestern seinen Geburtstag nachgefeiert und so kam ich nicht umhin, mir auch deren Musik anzuhören. Obwohl die Party im Keller stattfand, habe ich im Wohnzimmer, das direkt darüber liegt, natürlich alles mitbekommen.
Diese Generation hört ja alles rauf und runter und so großartig unterscheiden die sich nicht mehr von unserem Musikgeschmack. Wenn ich da an meine Eltern denke – niemals, auch heute nicht, kann ich deren Musikgeschmack nachvollziehen und habe mich da immer sehr stark abgegrenzt. Bei meinen Söhnen merke ich jetzt, dass sich deren Musikgeschmack sehr häufig mit meinem deckt und so fand ich die Geräuschkulisse eigentlich garnicht so schlimm.
Zu vorgerückter Stunde wurde dann ein Lied immer wieder gespielt und sehr falsch mitgesungen, aber es ist mir im Ohr geblieben und was macht Mutter, wenn sie wissen will, was sie da stundenlang gehört hat? Genau – sie geht zu YouTube auf die Suche und wird auch gleich fündig.
Und während ich das Lied anhöre, erinnere ich mich wieder daran, wie wundervoll und einzigartig ich selbst bin und wie oft ich das im Alltag und allgemeinen Tagesgeschehen vergesse. Danke für die kleine Erinnerung – wer immer die mir geschickt hat…
Ja, es ist nicht mehr zu leugnen, auch wenn uns der Samstag nochmal richtig heiße Temperaturen beschert hat – der Herbst ist da und das bedeutet, dass 75 % des Jahres bereits wieder Vergangenheit sind.
Mich überfällt zweimal im Jahr eine kleine Panik – einmal, wenn der Frühling beginnt, weil ich dann denke – huch, schon wieder März und das Jahr hatte doch gerade erst begonnen! Und dann im Herbst, wenn ich denke – huch, das Jahr ist ja schon fast wieder vorbei – was hast du denn nun geschafft von deinen Plänen und Zielen?
Und dann sitze ich hier und denke – nee – was für ein Quatsch! So lebe ich nicht im hier und jetzt, sondern immer gehetzt von Vergangenheit oder Zukunft – aber nie in der Gegenwart.
Ursula von der Seelenzeit-Oase macht es richtig – im Frühling ist ihre Seite online gegangen – wir haben dies gefeiert und uns gefreut, dass wir damit so einen schönen Ort erschaffen hatten, und heute, 6 Monate später, ist die Seite bereits so gewachsen, dass es eine wahre Freude ist, sie anzuschauen und sich von den Texten, Grafiken und der gesamten Kreativität berühren zu lassen. Den Sommer haben wir genossen und auch den Autorinnen Pausen gegönnt, und nun begrüßen wir dort heute den Herbst in allen seinen Farben und genießen diese Zeit für Besinnung und Muse.
Mittlerweile arbeiten viele Autorinnen an der Seite mit, und bald wird es mehrere Subdomains geben, wo die Autorinnen sich selbst mit ihren Texten und Kreationen präsentieren können. Alles hat seine Zeit…und daran werde ich mich erinnern, wenn mich mal wieder so eine kleine Panik ergreift – danke Ursula dafür, dass ich von Dir immer wieder lernen kann, im Hier und Jetzt zu leben…
Gestern war ich auf einen 50. Geburtstag einer Freundin eingeladen, deren Einladung folgenden Satz beinhaltete:
Bisher war es Vorspiel…
Mit 50 beginnt das eigentliche Leben!
Wow dachte ich – sie will es aber nochmal wissen und ich finde, sie hat absolut recht damit.
Wenn ich ihren Satz auf mich selbst übertrage, dann lebe ich nun schon fast zwei Jahre mein "eigentliches Leben", nach einem Vorspiel, das aber auch überaus spannend und garantiert abwechslungsreich war
Nicht immer hat mir dieses Spiel gefallen, es gab Zeiten, da hätte ich die Spielsteine am liebsten aus dem Fenster gefeuert oder die Spielkarten in alle Winde verstreut. Aber das Spiel ging trotzdem weiter, ich habe Spielsteine und Spielkarten wieder aufgesammelt und doch weiter gespielt.
Ich kann mein "eigentliches Leben" nur deshalb jetzt so leben, weil ich eben vorher lang genug gespielt habe, Erfahrungen machen wollte, Fehler machen musste, mein Leben spielen durfte.
Und was jetzt kommt, ist immer noch Spiel – nur mit mehr Klarheit und Strategie…und Liebe zu mir selbst…
Letztes Wochenende ist mein älterer Sohn nach München gezogen und wir waren die Tage vorher schon damit beschäftigt, alles zusammen zu packen und auch ja nichts zu vergessen. Dann kam der Samstag – früh aufstehen, den Transporter holen, einpacken, bei IKEA noch einen Kühlschrank einladen und dann los. Es war alles aufregend, die Fahrt war lang, weil wir Staus umfahren mussten und dann kam das Ausladen, aufbauen und einräumen. Eine kleine 2-Zimmer-Wohnung ist recht schnell eingeräumt, und so konnten wir den Sonntagnachmittag noch bei strahlendem Sonnenschein genießen, ehe wir gegen Abend mit dem Zug die Heimreise antraten. Ich wollte zwar noch einen lieben Kontakt in München treffen, aber dafür hat die Zeit dann nicht mehr gereicht – zumal das unsere letzten Stunden mit unserem Sohn waren bis er vielleicht Weihnachten zu Besuch kommt.
Wir konnten uns also auf der Heimfahrt erholen, alles ganz stressfrei und ohne Staus – trotzdem hatte ich die ganze Woche das Gefühl, unheimlich müde und ausgebrannt zu sein. Im Moment arbeite ich nur an einem Auftrag – also auch von dort kein Stress und ich könnte ganz entspannt meiner Arbeit nachgehen und müsste mich eigentlich gut fühlen. Heute morgen – ich stand beim Metzger in der Schlange und fragte mich erneut, warum ich denn nur so müde und auch so traurig bin, und da wurde es mir plötzlich sehr deutlich klar:
Es ist die Schwere des Loslassens, die auf mir liegt, die mich müde macht, traurig und sogar etwas demotiviert.
Dabei habe ich diesen Tag eigentlich herbei gesehnt, denn unser Sohn lebt ja schon seit fast zwei Jahren nicht mehr bei uns, war aber die letzten Wochen nochmal eingezogen, weil die eine Wohnung schon gekündigt, die andere aber noch nicht bezugsfertig war. Und vorher hat er hier in der Nähe gewohnt – wer konnte also immer mal vorbei schauen oder wir bei ihm… Nun aber ist er 500 km weit weg – und obwohl wir ja alle technischen Möglichkeiten der Kommunikation haben und die Entfernung keine Rolle mehr spielt, empfinde ich genau so, wie ich eben beschrieben habe.
Ich weiß, dass unsere Kinder uns nicht gehören, dass sie ihr eigenen Leben leben müssen und sollen und wir sie nur so weit begleiten, wie sie es zulassen. Und mein Sohn hat entschieden, von hier weg zu gehen. Es gab keinen erkennbaren Grund dafür – er hatte hier Arbeit, eine Wohnung und seine Familie und Freunde. Er ist seinem Gefühl gefolgt, und dem Wunsch, in einer großen Stadt zu leben statt hier in der Provinz. Er hat Wünsche geäußert und die Lieferung erfolgte prompt. Bei ihm funktionieren die Bestellungen beim Universum – was kann ich davon lernen?
Viele Mütter, viele Eltern haben diesen Prozeß durchlebt – jeder sicherlich auf seine eigene Weise, und so akzeptiere ich für den Moment meine Traurigkeit und auch Sorge um mein "Kind" und übe mich im Loslassen – schließlich habe ich ja noch einen Sohn – wer weiß, welche Pläne der in ein paar Jahren haben wird…
























