Am Morgen des 10. Juli 2009 stand Irene wie jeden Morgen um 6.00 Uhr auf. Alles war wie immer: Erst wurde eine Kanne Tee gekocht, die morgendlichen Medikamente mit einem Schluck Saft eingenommen und der PC gestartet. Irene weiß zwar, dass sie besser morgens keine Mails abholt, aber sie tut es trotzdem – eine Angewohnheit, die sie immer noch nicht verändern konnte…

Während sie so ihren Tee schlürft und die Mails durchgeht, überlegt Irene noch, wie sie den Tag am besten organisiert. Da mussten noch zwei ganz wichtige Dinge erledigt werden, dann der Termin in der Schule zum ersten Spatenstich für die neuen Gebäude und nachmittags wollte sie endlich mal die letzten Punkte ihrer TO-DO Liste abarbeiten.

Alles lief eigentlich wie erwartet – die wichtigen Dinge wurden erledigt und der Termin in der Schule war sehr nett. Sektempfang, Häppchen und ein paar kleine Plauderein – ein netter Vormittag also.

Als Irene nach Hause kommt, ist ihr jüngster Sohn Chris schon zuhause. Er hat Ferien bekommen und freut sich auf 6 faule Wochen. Er schickt seiner Mutter per ICQ einen Link zu einer Seite, auf der jemand seine kleinen Katzen anbietet. Irene und ihre Familie haben schon oft über die Aufnahme einer Katze in der Familie nachgedacht, und die Bilder auf der Seite zeigen wirklich super niedliche Kätzchen. Chris googelt noch, wie weit die wohl von uns weg sind und mit seinem ganzen Charme schafft er es, dass seine Mutter zumindest mal seinen Vater anruft und diesen von der Idee in Kenntnis setzt.

„Aha, und wie viele davon willst du denn mitnehmen?“ fragt dieser noch, und Irene meint: „Keine Sorge – nur eine natürlich!“

Inzwischen ist der große Sohn der Wolks eingetroffen, der natürlich sofort vom Katzenwunsch in Kenntnis gesetzt wird. In der Zwischenzeit hat Irene den Besitzer der kleinen Katzen schon angerufen und sich erste Informationen geholt. Sie bekundet ihr Interesse, macht aber noch nichts fest. Bei diesem Regenwetter, noch dazu zum Ferienbeginn, hat sie nicht vor, sich auf die Autobahn zu begeben und irgendwie will sie die endgültige Entscheidung nicht heute treffen. Sie weiß sehr wohl, was für eine Verantwortung sie übernimmt, wenn sie ein Tier ins Haus holt und Irene braucht für alles immer ein wenig länger als andere.

Ihre Söhne sind da ganz anders. Sebastian bietet an, zu fahren, ruft seinen Bruder Chris herbei und Mutter kann nur noch ins Auto steigen und den Besitzer von ihrem Kommen unterrichten. Ihre Söhne schaffen es immer wieder, Irene zu überrumpeln – oder nehmen sie ihr eigentlich nur die Entscheidung ab?

40 Kilometer entfernt sind an diesem Morgen drei kleine Katzen erwacht. Sie liegen zusammen gekuschelt in einer weich gepolsterten Kiste. Sie wissen nicht, dass Bilder von ihnen im Internet sind und dass sie alle vorgesehen sind für ein neues Zuhause. Sie haben wohl mitbekommen, dass einige ihrer Geschwister von fremden Menschen abgeholt wurden, aber sie wissen nicht, warum und dachten eigentlich, sie würden schon irgendwann wieder kommen.

Die Mutter kommt nur noch selten vorbei – sie lebt am liebsten in Wald und Feld und weiß, dass die kleinen bei diesen Leuten gut aufgehoben sind. Sie hat ihre Kinder zu deren Vater gebracht, der in dieser netten Familie lebt – soll der sich kümmern und für die kleinen sorgen. Sie liebt die Freiheit und braucht die Menschen nicht unbedingt.

Zwei der drei kleinen Kätzchen sind Schwestern. Sie balgen sich, sie kuscheln und spielen miteinander und machen alles zusammen. Die größere von beiden passt immer auf ihre kleine Schwester auf, die beim Füttern immer zuletzt dran kam und daher deutlich kleiner ist. Die beiden gehören zusammen, das sieht jeder, der einen Blick dafür hat.

Die dritte Katze ist sehr scheu. Sie ist an Menschen nicht gewöhnt, sie hat Angst und würde sich am liebsten immer in ihrem Körbchen verkriechen. Sie interessiert auch nicht, dass die anderen so lebhaft und verspielt sind – sie ist einfach ängstlich und zittert schon, wenn Menschen nur in ihre Nähe kommen.

Als Irene bei der Familie ankommt und die Kätzchen zum ersten mal sieht, ist sie erst mal ratlos – die sind alle drei so wunderschön und niedlich, dass sie – die sich eh nie entscheiden kann, absolute Schwierigkeiten hat. Also werden die Kätzchen zunächst beobachtet, sich mit den Besitzern unterhalten und es ergibt sich so ein sehr netter Kontakt. Irene hat derweil das kleine scheue Kätzchen auf dem Arm, dessen Herz ganz laut klopft und dessen Angst Irene ganz deutlich spüren kann. Die anderen beiden tollen derweil mit Chris und Basti herum – jeder hat für sich schon seinen Favoriten ausgemacht.

Na prima – demnach müssten nun alle drei mitgenommen werden, aber Irene ist ja immer noch mit dem Gedanken dort, nur EINE Katze mitzunehmen. Sie sieht, dass die anderen beiden zusammen gehören – die zu trennen würde ihr das Herz brechen. Die kleine scheue Katze jedoch signalisiert ihr, dass sie nicht mitkommen will. Ob sie spürt, dass sie auf keinen Fall 40 Kilometer über die Autobahn gefahren werden will? Irene hat Angst, dass sie das nicht überleben würde und diesen Stress möchte sie diesem schon so ängstlichen Tier auf keinen Fall antun.

Also muss die Entscheidung doch zwischen den anderen beiden fallen? Welche denn nun? Die, die Chris so toll findet? Die Kleine, tollpatschige? Oder doch die, die Basti’s Favorit ist – sehr neugierig, wild und ungestüm?

Den Jungs ist viel eher klar als ihr, dass natürlich beide mit müssen! Und Irene wusste ja schon zu Beginn, dass diese beiden nicht getrennt werden dürfen! Also – was tun?

KEINE nehmen? Irene hat vor allem auch Bedenken ihrem Mann gegenüber. Der wollte erst gar kein Tier, ehe er zustimmte, EINE Katze haben zu wollen.

Irene tut also etwas für sie ganz untypisches – sie hört auf, alles rational und „vernünftig“ zu entscheiden – sie entscheidet sich FÜR BEIDE Katzenkinder! Es ist für sie fast so ein Gefühl, wie sich noch mal für Kinder zu entscheiden. Verantwortung übernehmen, Sorgen haben, aber auch große Freude, Liebe und Glück.

Etwas wehmütig schaut Irene noch einmal zu dem kleinen ängstlichen Kätzchen, dem sie alles Liebe und ganz liebe Katzeneltern wünscht. Sie hofft, dass sich die Angst noch legt und sie zu einer wunderschönen und fröhlichen Katzendame wird.

Irene hat an diesem Nachmittag von dem, was sie sich vorgenommen hatte, nicht viel geschafft – aber sie hat zwei aktive, neugierige und liebevolle Katzenkinder in ihr Haus geholt und damit ihr Leben und das der gesamten Familie verändert. Sie ist glücklich, dass sie beide Kätzchen mitgenommen hat, wenn sie sieht, wie die beiden sich aneinander kuscheln, miteinander spielen und aufeinander aufpassen. Die beiden gehören einfach zusammen und dürfen nicht getrennt werden.

Irene freut sich auf das Leben mit ihren neuen Familienmitgliedern. Seit sie zuhause arbeiten kann, kann sie auch da sein für ihre Tiere und ihnen die Aufmerksamkeit geben, die sie brauchen. Und auch wenn ihr Mann erst mal komisch geguckt hat, als aus dem Körbchen nicht nur ein, sondern zwei Katzenköpfchen herausschauten, ist Irene sicher, dass er die beiden Schwestern genauso lieben und achten wird wie sie selbst und ihre Söhne.

Minnie und Luna haben ein neues Zuhause gefunden – sie werden es gut haben!

Original post by Irene and software by Elliott Back

2 Kommentare zu „Wie zwei Schwestern eine neue Heimat fanden“

  • liebe irene

    ich gratuliere euch herzlich zu diesem zauberhften familienzuwachs. ich dachte es mir schon fast nach dem gestrigen beitrag. die beiden sind so süß und grade katzem freuen sich sehr, wenn noch ein gefährte bei ihnen ist zum spielen. ich bin eine absolute katzenfanatikerin und blicke etwas eifersüchtig schon auf die fotos :) )) dank meiner katzenallergie kann ichs mir nicht leisten, wir sollen ja beide was voneinander haben…

    ich wünsche euch und euren katzenkindern eine wunderschöne zeit miteinander :) ))

    alles liebe von babsi

    ps: sags bloss nicht deinem sohn *g* bei uns sind 9 wochen schulferien :)

  • Herzlichen Glückwunsch zu diesem wunderhübschen Familienzuwachs. Ich hätte auch beide mitgenommen. Ich freue mich schon auf viele Fotos und Geschichten von den beiden Schwestern.

    LG Beate

Hier schreibt

Irene Wolk - Architektin + Webdesignerin mit WordPress =Wordpress-Architektin!

außerdem Vorleserin von Geschichten, Leiterin von Video-Lernkursen und Autorin des Buches: "Bin ich jetzt schön?"

Kreativ, positiv denkend und dauerhaft lernfähig.


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