Ein Mann fährt zu einem Blitzbesuch zu seinem alten, weisen Vater in sein Heimatdorf. Der Vater füttert gerade Katzen.

Der Mann sagt: “Tag, ich bleib nicht lang. Eigentlich habe ich gar keine Zeit. Ich weiß nicht mehr wo mir der Kopf steht. Ich hetze mich ab und schaffe überhaupt nichts. Ich bin nur noch ein Nervenbündel. Woher nimmst Du eigentlich Deine Ruhe?”

Der Alte kratzt sich hinterm Ohr und sagt: “Mein lieber Sohn höre gut hin. Ich mach es ganz einfach so – und es geht spielend leicht:

“Wenn ich schlafe, schlafe ich. Wenn ich aufstehe, stehe ich auf. Wenn ich gehe, gehe ich. Wenn ich esse, esse ich. Wenn ich schaffe, schaffe ich. Wenn ich plane, plane ich. Wenn ich spreche, spreche ich. Wenn ich höre, höre ich zu.”

Der Sohn sagt darauf: “Was soll dieser Quatsch? Das alles mache ich doch auch und trotzdem finde ich keine Ruhe und Gelassenheit.”

Der Alte sagt: “Mein lieber Sohn, höre gut hin. Wenn ich schlafe, schlafe ich. Wenn ich aufstehe, stehe ich auf. Wenn ich gehe, gehe ich. Wenn ich esse, esse ich. Wenn ich schaffe, schaffe ich. Wenn ich plane, plane ich. Wenn ich spreche, spreche ich. Wenn ich höre, höre ich zu.
Aber Du machst das alles etwas anders.
Wenn Du schläfst, stehst Du schon auf. Wenn Du aufstehst, gehst Du schon. Wenn Du gehst, dann isst Du schon. Wenn Du isst, dann schaffst Du. Wenn Du schaffst, dann planst Du schon. Wenn Du planst, dann sprichst Du schon. Wenn Du sprichst dann hörst Du schon. Wenn Du hörst, dann schläfst Du.”


Gestern Abend schickte mir meine Freundin Ursula diese Geschichte als Gute-Nacht-Geschichte. Ich hatte sie schon mal irgendwo anders gesehen, aber nicht weiter drüber nachgedacht. Heute nun habe ich mich noch mal näher damit beschäftigt und mein eigenes Handeln daraufhin überprüft.

Hole ich nicht auch Mails ab „nebenbei”, wenn ich gleichzeitig telefoniere?

Steht nicht gerade mein Frühstück neben mir, während ich Blog schreibe oder sonst am PC arbeite?

Werfe ich nicht mal eben schnell die Waschmaschine an, während ich am Essen kochen bin?

Ich könnte noch viel mehr Situationen aufführen, in denen ich mal eben mehrere Dinge auf einmal tue und bisher war ich sogar stolz darauf. „Multitaskingfähig” zu sein empfand ich als Kompliment und ich habe meinen Mann belächelt, der immer nur eine Sache geregelt bekommt und dann auch kein Ohr für etwas anderes hat.

Mir ist aufgefallen, dass dieses Phänomen hauptsächlich Frauen haben, ich glaube, es wird uns sogar bescheinigt, dass wir das besonders gut können – mehrere Dinge auf einmal zu managen. Nun frage ich mich, ob wir uns damit nicht um ganz viel Lebensqualität bringen, weil wir uns auf nichts wirklich konzentrieren und so das Gefühl haben müssen, nichts richtig zu machen, zu 100 Prozent, mit voller Konzentration.

Bei mir ist das mittlerweile schon zu einer Angewohnheit geworden, die ich kaum noch wahrnehme und es wird mir schwer fallen, dies jetzt ändern zu wollen. Wo fange ich an?

Am besten mit einer ganz kleinen Sache – zum Üben sozusagen :-)

Irgendwelche Vorschläge???

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3 Kommentare zu „Im Hier und Jetzt leben“

  • Wie wäre es mit einem computer- und fernsehfreien Tag. Es ist erstaunlich, wie viel Zeit man plötzlich hat.

  • Babsi sagt:

    liebe irene

    mir gehts da wie deinem mann. ich kann mich auch nur auf eins konzentrieren. es geht nicht anders. sobald ich versuche mehr auf einmal zu schaffen dann bin ich abgelenkt. ich kann zb auch nicht gleichzeitig telefonieren und nebenbei zb den geschirrspüler auszuräumen.
    ich telefoniere oft stundenlang mit meiner freundin in köln da wir uns ja nicht sehn können und die schmeißt “mit mir” zusammen den halberten haushalt; spülen, putzen, wäsche zusammenlegen usw. unglaublich!!

    wenn ich mich anfange zum hetzen dann mach ich alles nur halbherzig.dann denkt man, das und das muß jetzt no´ch gemacht werden!shit, das essen muß auch vorbereitet sein usw usf.

    ich kann nun leicht reden weil ich den stress nicht habe aber ich weiß, das was ich gerade tu, das tu ich mit all meiner aufmerksamkeit.ich merke wie ich währenddessen entspanne, auch wenn ich mich voll konzentriere. und zwar NUR auf das was ich gerade mache.
    auch ich bin oft dazu angehalten worden schneller zu machen weil zb sonst wer auf mich warten muß. aber was ist daran so schlimm, wenn zb dein mann mal 5 min länger aufs essen warten muß, und du dafür deine sachen ohne stress richtig erledigt bekommst?:-)

    wir leben in einer sehr leistungsorientierten gesellschaft!!es kann nichts schnell genug sein.

    bei mir ist es meistens so, dass ich grade mit dieser art etwas zu schaffen oft schneller bin und zufriedenstellendere ergebnisse hab..

    so tut mir leid das war ein roman…es sprudelte so ráus *schäm*
    liebe sonnengrüße von babsi

  • Hallo Irene,

    das ist ein sehr interessanter Blogbeitrag, da sollte sich nämlich jeder Unternehmer Gedanken zu diesem Thema machen.
    Ich habe bei mir auch schon festgestellt, früher wollte ich viel schaffen, also “musste” ich sozusagen mehr auf einmal machen. – Dachte ich :)
    Heute sehe ich das ganze anders und fokussiere mich immer nur auf eine Aufgabe, ist diese fertig, kommt die nächste…

    Da wir zu 90 % unterbewusst gesteuert sind, muss dafür das Unterbewusstsein “umprogrammiert” werden.

    Ich habe mich diesbezüglich entschlossen, das praxiserbrobte Produktivitätstraining “Viel-mehr-Zeit” von J. Moltgen auf Grundlage von Eben Pagan’s Produktivitätstraining (kostet in den USA immerhin 10.000 $ – http://www.getaltitude.com) zu machen und ich muss sagen, obwohl ich erst auf der Hälfte der Strecke bin (ist ein 90-Tage Trainingsprogramm), merke ich schon sehr positive Unterschiede… und hab auf einmal wirklich mehr Zeit für andere Sachen (hätte ich anfangs ehrlich gesagt nicht geglaubt).

    Du kannst es dir ja mal anschauen, meiner Meinung nach sollte es jeder Geschäftstätige so ein professionelles Produktivitätstraining machen.
    http://simurl.com/vielmehrzeit

    Auch sehr hilfreich, wie es Christoph Mogwitz auch immer betont, sind Mindmaps und ToDo-Listen, um den Überblick zu behalten und Prioritäten zu setzen. Ich nutze seit einiger Zeit die Mindmapping-Freeware “Freemind” in verbindung mit dem Opera-Widget “dotoo”. Ist eine unglaubliche Erleichterung für’s “daily business”.

    Ich könnte hier noch ewig weiterschreiben, aber ich denke ein Report wäre da besser angebracht als dein Blog vollzuschreiben.

    Schöne Grüße
    Chris

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Hier schreibt

Irene Wolk - Architektin + Webdesignerin = Web-Architektin!

außerdem Vorleserin von Geschichten, Leiterin von Video-Lernkursen und Autorin des Buches: "Bin ich jetzt schön?"

Kreativ, positiv denkend und dauerhaft lernfähig.

www.kreativ-im-web.de

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